Cornus Kousa
Ich gebe unumwunden zu: Ich bin verliebt in den Cornus kousa.
Nicht umsonst habe ich einen jetzt 35jährigen in meinem Vorgarten
stehen, zusammen mit Rhododendron, Azaleen, Rodgersien, Viburnum
davidii, Elfenblumen usw; ein Prachtstück und ein Prachtbild bei
minimalstem Pflegeaufwand. Er steht dort auf der Abendsonnenseite.
Das Wissen, dass er zur Unterfamilie Benthamia unter den Cornaceen
gehört behindert die Liebe keineswegs. Er ist eine Pflanze der Superlative.
Kaum Ansprüche an Klima und Boden, braucht keinen speziell tiefen
pH-Wert, daher auch kein Moorbeet und keinen Torf, keine Pflanzenkrankheiten,
keine Spätfrostgefährdung, kein Erfrieren im Winter. Soweit die
positive Charakterisierung durch das, was nicht ist.
Cornus kousa ist ein Traum-Kartenspiel das viermal sticht:
Im Winter erfreut er durch seinen schönen ausgeprägten Wuchscharakter
mit dichten, bogig-horizontalen Fächerästen. Im Frühjahr kommt der
Blattaustrieb langsam aber stetig in dem die oval-zugespitzten
Blätter sich langsam grösser werdend aus den Knospen schieben.
Die interessanten Formen werden durch kupfrige Farbe akzentuiert.
Die späte Blüte erstreckt sich von Ende Mai bis Ende Juni.
Aus den Blütenknospen, die auf den Blatt-Teppichen der Äste gestielt
stehen, entwickelt sich aus zuerst kleinen grünlichen, vierstrahligen
Sternchen bis ca. 6 cm grosse weisse Blüten mit elegant gespitzten
Blattzipfeln. Bei jüngeren Pflanzen stehen die Blüten noch vereinzelt,
später wird der Flor immer dichter, bei alten Pflanzen stehen die
Blüten dicht an dicht gedrängt, in tropischer Üppigkeit. Im Oktober
schmückt sich das Gartenwunder mit erbeerartigen runden, zuerst
orange, dann karminroten, etwas bereiften Früchten, die auf
dünnen Stielchen über den Blatt-Teppichen stehen. Sind sie einmal
reif, fallen sie leider bald ab. Der Fruchtbehang ist im Alter sehr
üppig. Aus diesem Grund ist der Pflanzort so zu wählen, dass die
Früchte nicht auf Gehsteige oder Zugangswege fallen können. Mein
Rühmen hat noch kein Ende: Je nach dem Klimaverlauf des Jahres setzt
Ende Oktober bis Mitte November der Laubfall ein, dem ein Schlussbouquet
vorausgeht, das dem Feuerwerksmeister Herbst alle Ehre macht.
Je nach Klima- und Bodenfaktoren einerseits und dem Laubfallstadium
andererseits geht die Farbenskala von gelborange bis zu satten dunkelkarmin.
Schade um jeden Garten unserer Breitengrade in dem kein Cornus kousa
steht. Ist der Preis ein Hinderungsgrund? Stand 1998 kostet ein
Exemplar 180-200 cm Höhe zwischen 240 und 305 Franken. Er ist bei
uns erhältlich. Überall, wo ein roter oder grüner Japan-Fächerahorn
steht, könnte ebenso gut ein Cornus kousa stehen. Die Endgrösse
ist bei beiden vergleichbar; etwa drei bis viereinhalb Meter. Mein
Liebling eignet sich besonders zur Einzel- oder Gruppenstellung.
Jedenfalls sollte er als ausgesprochener Charakter-Darsteller nie
zu einer Statistenfunktion degradiert werden. Trotz seines ausgeprägten
Charakters empfinde ich ihn nicht als unverträglich, jedoch um beim
Vergleichsbild zu bleiben: Die Nebendarsteller und Statisten sollten
in ihrer Stilwertigkeit dem Hauptdarsteller entsprechen. Einige
davon wären: Zwergkriecheibe (Taxus baccata Repandens), wintergrünes
Pfaffenköpfchen ( Euonymus fortunei Vegetus), Ysander (Pachysandra),
Schattensteinbrech (Saxifraga umbrosa) und Waldsteinia wären so
eine Kurzauswahl von stilentsprechenden Begleitpflanzen. Einen Nachteil
muss ich nun allerdings noch einräumen. Cornus kousa entwickelt
sich erst nach 3-5 Jahren, dann allerdings in exponentieller Kurve
zur vollen Schönheit un zu üppigen Flor.
Apropos: Er kann nahezu jederzeit gepflanzt werden.